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Ritschi, Sänger und Texter von Plüsch, der erfolgreichsten schweizer Mundartpopband der letzten Jahre, präsentierte im Frühjahr 2009 sein Solo-Debut „Probier mi doch mal us“. Wer dem Albumtitel Folge leistet, muss sich auf eine geballte Ladung Direktheit gefasst machen.
Das heisst nicht, dass der 30-Jährige Berner Oberländer über sämtliche 13 Songs losbrettert wie ein D-Zug. Aber er fährt fadengrad und hemmungslos ein, die Texte sind unverblümt, natürlich, aber auch stimmungsvoll, emotionell und empfindsam. Die Nummer „Aber jeder hat diese Tage, die er verflucht“, die auch als erste Single ausgekoppelt wurde, gibt die Marschrichtung fürs Album vor: Gitarren dürfen mal griffig sein, Inhalte und Sound dürfen bisweilen ungeschminkt wirken.
Ritschi spannt einen weiten musikalischen Bogen: „Chume um di ume“ eröffnet mit einem Intro, wie man es im Hardrock kennt; „Zug i Oschte“ gibt sich soulig-poppig; „Kitschig“ lebt von einem unüberhörbaren Gospel-Einfluss. So bleibt nach 13 Songs die Erkenntnis: Es lohnt sich, mehr als nur ein Häppchen Ritschi zu probieren. Thomas Fessler hat das Album produziert, mitarrangiert und spielt auf allen Stücken Gitarre. Musikalisch umgesetzt wurde die Scheibe mit dem Drummer Simon Kistler, Perkussionist Andi Pupato, Keyboarder James Halliwell, Gitarristen Jean-Pierre von Dach, Lukas Schwengeler, Thomas Fessler und dem Bassisten Emmi Lichtenhahn.
Gerade mal ein Jahr hat sich Ritschi Zeit genommen, „Probier mi doch mal us“ zu schreiben, aufzunehmen und herauszubringen. „Völlig auf mich gestellt zu sein, war befreiend - aber auch belastend“, sagt der charismatische Sänger. „Ich durfte ausprobieren, wonach mir gerade war - musste aber auch sämtliche Entscheidungen selber fällen.“ Wenn ihm jemand vorhält, Ritschi sei eben doch nichts anderes als Plüsch, weiss er: „Ich lebe auf dieser Grenze zwischen Balladen und härterer Gangart.“ Neu erfinden kann und will er sich nicht - aber kompromisslos das Album machen, welches komplett seinen Vorstellungen und Wünschen entspricht. Nicht eine musikalische Schublade wird zum roten Faden, die sich durchs Album zieht - vielmehr ist es Ritschis unvergleichliche Stimme die zum prägenden Element seines Solo-Debuts avanciert.